„Die erste Revolution von oben“ – Wie Papst Franziskus den Vatikan umkrempelt

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Für Vatikan-Kenner Andreas Englisch ist dieser Papst ein "Kämpfer im Vatikan". (Bildquelle: Pixabay)

Papst Franziskus wird heute achtzig Jahre alt. Wer ist dieser Mann, der seit mehr als drei Jahren nicht nur das Protokoll im Vatikan auf den Kopf stellt? Ich habe einen Mann getroffen, der wie kein anderer weiß, was sich mit der Amtsübernahme von Papst Franziskus im Vatikan verändert hat.

Die katholische Stadtkirche Dortmund ist Anfang November 2016 bis auf den letzten Platz gefüllt, mehr als 200 Menschen sind gekommen. Sie warten auf Andreas Englisch, den Vatikan-Experten der Nation. Fast 30 Jahre berichtet er für deutsche Medien aus Rom. Drei Päpste hat er hautnah erlebt. Er ist gekommen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern – über Papst, Kardinäle und römische Kurie. Das erhoffen sich zumindest die Gäste in der vollbesetzen Kirche.

Vom Messdiener zum Vatikan-Experten

Kurz vor acht Uhr betritt Englisch die Kirche. Als er vom Veranstalter angekündigt wird, geht Englisch lächeln neben dem Altarraum auf und ab. Plötzlich aber hält er inne, wendet sich der seitlich liegenden Taufkapelle zu. Er geht in die Knie und schlägt ein Kreuz. Die Zeit in Rom hat ihn verändert. Als er 1987 nach Rom kam, hatte er „keine Ahnung“ von der katholischen Kirche, erzählt Englisch selbstbewusst. Ein gläubiger Christ sei er schon gar nicht gewesen. Was ihn dennoch qualifiziert habe? Er war früher Messdiener. Das reichte einer amerikanischen Nachrichtenagentur, um ihn als „Vatikan-Experten“ einzustellen.

Wenn ein Papst sich weigert in die Papst-Wohnung einzuziehen

Andreas Englisch spricht frei und reiht Anekdote an Anekdote. Er begeistert sein Publikum, weil er selbst begeistert ist. Vor allem ist er von Papst Franziskus begeistert. Der Vatikan habe sich durch ihn stark verändert. In lockeren Worten erzählt er, wie der Papst sich nach seiner Wahl geweigert habe in die protzigen Vatikan-Autos zu steigen und stattdessen lieber den Bus genommen habe. Er erzählt, wie der Papst es ablehnte in die Vatikanwohnung im Apostolischen Palast einzuziehen und stattdessen (bis heute) im nahegelegenen Gästehaus der heiligen Martha in Rom wohnt. Er erzählt es so, als wäre er dabei gewesen. Das Publikum hört konzentriert zu. Und das ist gar nicht immer so einfach, denn Englisch redet viel und schnell. Manchmal zu viel und zu schnell.

Englisch erzählt, wie sich Franziskus zu Ostern 2013 geweigert hat, das Festgewand für den Gottesdienst anzuziehen. Stattdessen wollte er lieber sein einfaches Priestergewand tragen. Diesen Affront habe der Papst mit den Worten kommentiert: „Ich bin der Papst, nicht der Weihnachtsmann.“ Lachen im Publikum. Andreas Englisch weiß, was beim Publikum ankommt.

Hier erklärt Andreas Englisch, wie Papst Franziskus katholische Kirche und Kurie auf den Kopf stellt:

Vatikan-Kenner Englisch: Franziskus wird nicht vorzeitig zurücktreten

Andreas Englisch glaubt nicht, dass Papst Franziskus vorzeitig zurücktreten wird. Er erhofft sich von ihm weitere Reformen. Sein Publikum hat Englisch begeistert. Viele Menschen lassen sich nach dem siebzigminütigen Vortrag Bücher signieren und machen Selfies mit dem Vatikan-Kenner. Die Revolution des Papst Franziskus verkauft sich gut. Für Englisch ein Beleg, dass der Papst Aufbruchsstimmung verbreitet. Zumindest das Publikum in Dortmund hat er da auf seiner Seite.

Andreas Englisch wird weiter aus Rom berichten. Nächstes Jahr ist er 30 Jahre dort. Und vermutlich wird er weiter Bücher schreiben und Vorträge halten. Zum Abschluss bemerkt er selbstironisch: „Ich kann schreiben … und ich kann auch nichts anderes.“